Konzept Neurologischer Fachpflegebereich Phase F (Wachkoma)

Nach dem Pflegemodell von Monika Krohwinkel haben wir uns
die ganzheitliche, aktivierende und individuelle Pflege und Betreuung
unserer Bewohner als Ziel gesetzt.

 Der Fachpflegebereich Wachkoma der Phase F verfügt derzeit über 14 vollstationäre Dauerpflegeplätze, Plätze der Kurzzeitpflege können eingestreut werden. Davon stehen 8 Einzelzimmer und 3 Doppelzimmer jeweils mit einem eigenen Badezimmer (Dusche, WC und Waschbecken) zur Verfügung.

Mit unserem Pflege- und Betreuungskonzept setzen die Mitarbeiter die Ziele des speziellen Fachpflegebereiches des Hauses in die Praxis um.


1 Ziel des Pflegekonzepts

Die bereichsorientierte Beziehungspflege von Bewohnern im Wachkoma beruht auf der Erkenntnis, dass unsere pflegerische Konzeption auf die besonderen Bedürfnisse des hilfebedürftigen Menschen beziehen muss. Hierauf ist die Pflege des schwer hirnorganisch geschädigten Menschen im Wachkoma der Phase F ausgerichtet. Sie konzentriert sich auf die bestmögliche Schaffung normaler bzw. fördernder Lebenszusammenhänge und Bedingungen. Die Bedürfnisse der zu betreuenden Angehörigen.

Im Vordergrund steht das Qualitätskriterium der Rehabilitationsphase F für Schwerst-Schädel-Hirnverletzte und Patienten im Wachkoma: Die langfristig ausgelegte aktivierende Behandlungspflege und soziale Rehabilitation mit der Möglichkeit, jederzeit bei Besserung in die Frühreha (Phase B) zurückzukehren.

Zudem gehört zu unseren Qualitätskriterien für Menschen im Wachkoma mit schwerer Behinderung das Recht auf Teilnahme am mitmenschlichen Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen.


2 Allgemeiner Grundsatz zum Pflegeprozess

Die pflegerische Grundlage basiert auf dem Pflegemodell nach Monika Krohwinkel und ist nach den anerkannten „Aktivitäten und existenziellen Erfahrungen des täglichen Lebens“, AEDL`s ausgerichtet, wobei die speziellen Bedürfnisse dieser Bewohnergruppe berücksichtigt werden.

Die Würde des Menschen und seine individuellen Bedürfnisse stehen bei allen pflegerischen und betreuenden Handlungen im Vordergrund. Die aus der der Biografie gewonnenen Bedürfnisse und Informationen über Gewohnheiten, Vorlieben und Erfahrungen werden respektiert und in den Pflegeprozess, auch aus therapeutischen Gesichtspunkten einbezogen.

Der Pflegeprozess wird somit zu einem individuellen Pflege- und Betreuungsprozess.

Aus den Pflegeproblemen und Ressourcen ergibt sich der individuelle Pflegebedarf des Betroffenen. Der Bedarf der pflegerischen Versorgung wird mittels Einbeziehung der Angehörigen, während des Pflegeprozesses laufend an die veränderten Bedürfnisse und Prioritäten des Pflegebedürftigen angepasst.

Die planmäßige Problemlösung verläuft über mehrere Schritte, die aufeinander aufbauen.

Phasen der Problemlösung/Planung

Der Pflegeprozess besteht prinzipiell aus folgenden Schritten:

  • Informationssammlung
  • Erkennen der Probleme und Ressourcen
  • Festlegen der Pflegeziele
  • Pflegeplanung (analog zum SGB XI)
  • Durchführung der Pflege, Beurteilung der Pflegewirkung
  • Anpassung der Planung


3 Innerbetriebliche Kommunikation

Vor dem Hintergrund der Prozessorganisation und Koordination der erforderlichen Versorgung steht dem Austausch von Fachinformation eine wichtige Bedeutung zu. Zur Sicherstellung der medizinischen und therapeutischen Behandlung finden regelmäßige Arztvisiten mit der Fachpflegekraft statt. Die Fachpflegekraft steht in einem ständigen Kontakt mit den Therapeuten.
Die Ärzte sowie die Therapeuten werden aufgefordert, ihre Maßnahmen oder ggf. den Therapieverlauf in der vorhandenen Pflegedokumentation schriftlich zu dokumentieren. Die Fachpflegekraft wird bei Bedarf den Therapieverlauf ebenfalls im Pflegebericht sachlich ergänzen. Dadurch ist für alle Beteiligten ein nachvollziehbarer Informationsfluss gesichert.
In der Einrichtung beschäftigte therapeutische Personal wird permanent in die Betreuung mit einbezogen. Es dokumentiert ebenfalls ihre Maßnahmen und deren Wirkung.

Die Dokumentation erfolgt mittels einem Dokumentationssystem (GODO - dieses System verfolgt den Aspekt der Entbürokratisierung der Pflegedokumentation und stellt die geplanten Pflegemaßnahmen in Form einer Tagesstrukturierung dar-). Zur Sicherung des Informationsaustausches finden nach jedem Schichtwechsel Übergaben statt, die protokolliert werden. Zusätzlich finden monatliche Teambesprechungen (4. Dienstag im Monat 13.30 Uhr bis 14.30 Uhr) statt. Diese werden anhand einer Teilnehmerliste nachgewiesen und protokolliert.
Zudem finden zur Eingliederung in der gesamten Einrichtung wöchentliche Leitungsrunden (Donnerstag von 13.45 Uhr bis 15.30 Uhr) mit allen Leitungskräften (HL, PDL, WB´s, Hauswirtschaft, Haustechnik und Küche) statt. Die angefertigten Protokolle stehen den Wohnbereichen zur Einsicht zur Verfügung.


4 Qualitätssicherungssystem

Es besteht ein internes Qualitätssystem, welches kontinuierlich weiterentwickelt wird.
Um die Qualität des Konzepts dauerhaft zu gewährleisten, werden folgende Maßnahmen durchgeführt. Anzumerken ist dabei, dass die Qualität sich in einem ständigen Veränderungsprozess zur kontinuierlichen Verbesserung befindet und diese Maßnahmen bei Bedarf verändert oder ggf. neu angepasst werden müssen.

  • Es wird nach anerkannten Pflegestandards (Stösser-Standard) gearbeitet, indem die Expertenstandards eingearbeitet sind.
  • Neue Mitarbeiter werden nach einem Einarbeitungskonzept eingearbeitet.
  • Vorhandene Stellenbeschreibungen liegen vor für: Verantwortliche Pflegefachkraft, Pflegefachkräfte, Pflegehelferin, Haustechnik, Beschäftigungstherapie.
  • Für alle Mitarbeiter werden externe und interne fachbezogene Fortbildungen durchgeführt und durch Teilnehmerlisten protokolliert.
  • Fort- und Weiterbildungsplan wird erstellt und aktualisiert.
  • Fachliteratur wird vom Haus vorgehalten und steht den Mitarbeitern jederzeit zur Verfügung.
  • Wöchentlich findet für einen Bewohner eine Pflegevisite mit anschließender Fallbesprechung statt, die in der Pflegedokumentation protokolliert wird.
  • Im 14-tägigen Rhythmus finden Qualitätszirkel mit der zertifizierten QM Beauftragten statt.
  • Monatliche Kennzahlen bezüglich der Einschätzung der Bradenskala werden erhoben und zusätzlich wird eine kontinuierliche Sturzstatistik geführt.
  • Bezüglich des Ernährungsassessments werden monatlich die Gewichte erhoben und darauf bezogen der Kalorienbedarf und Flüssigkeitsbedarf ermittelt.
  • Eine Verfahrensanweisung für das Beschwerdemanagement existiert im Hause. Beschwerden werden umgehend schriftlich an die HL/PDL weitergeleitet und bearbeitet.
  • Eine externe Beratungsfirma führt jeweils den 2. Dienstag im Monat von 9.00 Uhr bis - 14.00 Uhr einen hausinternen QM Zirkel durch.
  • Eine kontinuierliche Hygieneberatung erfolgt durch eine externe Beratungsfirma.
     

5 Leistungsbeschreibung

Grundpflegerische sowie behandlungspflegerische Maßnahmen werden durch Fachpersonal durchgeführt.

Um gute pflegerische- und therapeutische Erfolge zu erreichen, bedarf es für jeden Bewohner eines individuell abgestimmten Therapieplans. Dieser wird auf Grundlage seiner Biografie, seinen persönlichen Wünschen und Interessen, Fähigkeiten und nach Abstimmung der Angehörigen erstellt.

Dieser Therapieplan bedeutet auch Verlässlichkeit in der personellen Betreuung und der Tagesstrukturierung. Es wird eine Grundlage von Vertrauen und Sicherheit geschaffen.
Grundlegende Aspekte beinhalten die tägliche Mobilisation des Bewohners, um soziale Kontakte und gesellschaftliche Interaktionen zur Umwelt zu fördern. Dieses wird erreicht durch Spazierfahrten innerhalb und außerhalb des Heimes, der Teilnahme an Veranstaltungen und Beschäftigungsangeboten unserer Einrichtung und durch das Zusammensein mit anderen Bewohnern in den Aufenthaltsräumen.

Einzeltherapien sind Bestandteil des Therapieplanes und werden von den Pflegekräften und den Ergotherapeuten individuell auf die Bewohner abgestimmt. Hierbei handelt es sich um Snoezelenstunden, Wahrnehmungs- und Entspannungsübungen sowie Übungen zur „Basalen Stimulation“. Abgestimmt auf die Biografie des Einzelnen ist die Behandlung mit einem Therapiehund möglich.

Über den Therapieplan erfolgt die Zusammenarbeit aller beteiligten Berufsgruppen. Die Behandlungstermine der externen Therapeuten werden besonders gekennzeichnet mit dem Ziel, alle pflegerischen und sozialen Maßnahmen zu koordinieren, um den Bewohner nicht zu überfordern.


6 Angehörigenbetreuung

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Konzepts ist die Angehörigenbetreuung. Die Angehörigen sind in allen Endscheidungen und Prozessen mit einbezogen. Dadurch werden sie in der für sie extrem belastenden Situation entlastet und können so den Pflegeprozess und dessen Ziele maßgeblich unterstützen.

Durch folgendes Vorgehen wird dieses erreicht:

  • Das Pflege- und Betreuungspersonal geht auf die Angehörigen zu und bietet so von Anfang an eine Gesprächsatmosphäre an.
  • Alle Vorgänge und Maßnahmen werden transparent gemacht und den Angehörigen erläutert.
  • Die Biografie des Bewohners fließt maßgeblich in die Therapie mit ein.
  • Die individuellen Fähigkeiten werden wieder angeregt und unterstützt.
  • Durch regelmäßige Angehörigentreffen wird der Erfahrungsaustausch untereinander gefördert.
  • Es gibt keine festgelegten Besuchszeiten.

Die Reaktion und unterschiedlichen Wahrnehmungen, aber auch die Ängste aller Bezugspersonen werden geachtet. Sie werden als gleichberechtigte Partner in die Behandlung mit einbezogen.


7 Kooperation

Folgende Kooperationen bestehen:

Apotheken
Mit ortsansässigen Apotheken ist eine Zusammenarbeit sichergestellt.

Sanitätshaus, Hilfsmittelbedarf
Durch einen Kooperationsvertrag, der regelmäßige Besuche im Haus sicher stellt, werden die Pflegefachkräfte bei der Auswahl und Anwendung der Hilfsmittel unterstützt.
Außerdem beraten sie bei der Auswahl von Ernährungsprodukten.
In der Tracheal- und Stomaversorgung und in der modernen Wundversorgung werden die Fachpflegekräfte durch externe Spezialisten unterstützt.
Die regelmäßige Wartung der medizinischen Geräte z. B. Beatmungsgeräte und die Schulung der Mitarbeiter auf diese Geräte wird durch das Sanitätshaus sichergestellt.

Friseur und Fußpflege
Beide Berufsgruppen kommen regelmäßig in die Einrichtung.

Ärzte
Die Bewohner können ihren Hausarzt frei wählen.
Die Visiten finden in Begleitung der jeweiligen Pflegefachkraft statt.
Eine kooperative Zusammenarbeit mit begleitenden Hals-Nasen-Ohren Ärzte, Neurologen und Anästhesisten besteht.

Über die abughs Unternehmensberatung GmbH besteht eine zusätzliche medizinische Beratung.

Die regelmäßige Betreuung des Pflegepersonals durch Supervisionen erfolgt durch Herrn Dr. med. Brüggemann.


8 Personal

Für die Betreuung und Pflege der Menschen im Fachpflegebereich wurden besonders motivierte Mitarbeiter ausgewählt und geschult. Durch die kooperative Zusammenarbeit aller am Pflegeprozess beteiligten Fachkräfte wird ein optimales Pflegeergebnis angestrebt.

Die Pflegefachkräfte
Die Aufgabe der Pflegefachkräfte ist es den Pflegeprozess zu lenken, zu planen und zu dokumentieren. Die Evaluation der Pflegeergebnisse und der Pflegeplanung sowie die fachgerechte Anpassung und Einleitung von pflegerischen Maßnahmen gehören zu den Kernpflichten und Kernkompetenzen jeder Pflegefachkraft.

Leitenden Pflegefachkräfte
Die Aufgabe der leitenden Pflegefachkraft ist es, alle für die Pflege erforderlichen Prozesse aus den Bereichen der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität bewusst wahrzunehmen, zu lenken, zu verbessern und entsprechende Maßnahmen zu koordinieren. Die leitende Pflegefachkraft besitzt die Zusatzqualifikation Anästhesie- und Intensivpflege und verfügt zudem über mehrjährige Beruferfahrung.

Ergotherapeutin/Kunsttherapeutin
Sowohl eine Ergo- als auch eine Kunsttherapeutin wurden eingestellt um eine kontinuierliche Betreuung sicherzustellen.
In enger Absprache mit den Pflegefachkräften bringen sie je nach vorhandenen Möglichkeiten der Bewohner zusätzliche therapeutische Verfahren mit ein. Durch diese Therapien soll das Behandlungsergebnis weiter verbessert werden.


9 Räumliche Ausstattung

Unsere Wachkomaabteilung befindet sich in der 1. Etage und ist von dem Wohnbereich II durch eine Tür räumlich getrennt.
Der Fachpflegebereich ist barrierefrei, rollstuhlgerecht und mit ausreichenden Lichtquellen ausgestattet.
Die Bewohner können ihre Zimmer mit eigenen Möbel einrichten.
Bei Störungsmeldungen an den Beatmungsgeräten wird das Pflegepersonal sofort über den Ort der Störung durch ein mobiles Telefon alarmiert.

 Folgende Räume stehen in Ihrer Nutzung zur Verfügung:

  • 8 Bewohner – Einzelzimmer, inkl., Bad
  • 3 Bewohner – Doppelzimmer, inkl. Bad
  • Lager für Pflegehilfsmittel
  • Dienstzimmer für die Pflegefachkraft
  • Aufenthaltsraum für Angehörige mit einer separaten Teeküche
  • Pflegebereichsbad
  • Personaltoilette
  • Snoezelenraum
  • Therapieraum
  • Fäkalienraum


10 Apparative Ausstattung

Die apparative Ausstattung unserer Einrichtung einschließlich der vorhandenen Hilfsmittel steht den Bewohnern des Wachkomabereiches nach dem Rahmenkonzept von Schädel-Hirngeschädigten (Phase F) gemäß Anlage 4 zur Verfügung.

 
Haus Am Barkhof | Betreuungs- und Verwaltungs GmbH | Am Barkhof 10 | 27711 Osterholz-Scharmbeck